TEIL 18 · 🔴
Freie Betriebssysteme#
Der entscheidende Baustein. Wenn clientseitiges Scannen vom Betriebssystem selbst erzwungen werden kann, besteht der einzige echte Schutz darin, die Kontrolle über dieses Betriebssystem zu haben. Das gilt auf dem Smartphone (GrapheneOS) ebenso wie auf dem Computer (Linux). Unterschätze das nicht: Solange du Windows, macOS oder ein Android von Google verwendest, hast du nicht wirklich die Kontrolle über dein Gerät.
🔴 Fortgeschritten
Google-freies Smartphone mit GrapheneOS
Android · Pixel · Open Source
Ein vollständig von Google befreites Android für Pixel-Smartphones: digitale Selbstbestimmung
auf dem Mobilgerät.
Es ist der strukturelle Schutz schlechthin gegen ein Betriebssystem oder einen App-Store, der
deine Inhalte scannen würde. Google-Dienste laufen nur optional in einer Sandbox. Hinzu kommen
Netzwerkberechtigungen pro App, getrennte Profile, ein automatischer Neustart, der Schlüssel aus
dem Arbeitsspeicher entfernt, und eine Notfall-PIN, die das Smartphone löscht. GrapheneOS genießt
in Sicherheitskreisen so viel Vertrauen, dass es auch von Personen eingesetzt wird, die Ziel von
Spionagesoftware sind.
Menschen mit erhöhtem Risiko – aber auch alle, die bereit sind, ein Pixel zu kaufen, um die
Kontrolle über ihr Smartphone zurückzugewinnen.
Besorge dir ein kompatibles Google Pixel. Aus Sicherheitsgründen ist dies die einzige
unterstützte Hardware.
Rufe auf einem Computer grapheneos.org/install auf und folge dem Web-Installer. Das
dauert nur wenige Klicks; ein Terminal ist nicht nötig.
Installiere Apps über den freien App-Store F-Droid. Füge Google Play in der Sandbox nur hinzu,
wenn du es wirklich brauchst.
Lege eine lange Passphrase statt einer vierstelligen PIN fest und mache dich mit dem Modus
„Sperren“ vertraut.
Linux (auf dem Desktop)
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Linux ersetzt Windows / macOS
🌍 · frei und offen
Ein freies Betriebssystem für deinen Computer, das Windows oder macOS ersetzt. Linux gibt es in
vielen Varianten, den sogenannten Distributionen.
Hier liegt für viele ein blinder Fleck: Sie verschlüsseln ihre Nachrichten, behalten aber Windows,
das fortlaufend Telemetriedaten an Microsoft sendet und mit „Recall“ sogar regelmäßige
Bildschirmaufnahmen einführen wollte – oder macOS, das meldet, welche Apps du startest. Linux
spioniert dich nicht aus, ist kostenlos, belebt ältere Computer neu und gibt dir die Kontrolle
über dein Gerät zurück. Es ist einfacher als sein Ruf: Moderne Distributionen sehen Windows oder
macOS sehr ähnlich.
Der Umstieg ist für alle machbar. Für den Einstieg eignen sich Linux Mint (Windows am
ähnlichsten) oder Fedora; Debian steht für Stabilität. Du musst nicht sofort etwas
löschen: Teste Linux zunächst und installiere es später neben deinem bisherigen System.
Du weißt nicht, welche Distribution zu dir passt? Beantworte den Fragebogen auf
distrochooser.de.
Teste verschiedene Systeme ohne Installation direkt im Browser auf distrosea.com
Lade anschließend das Abbild der gewählten Distribution herunter und erstelle mit Ventoy oder
Balena Etcher einen startfähigen USB-Stick.
Starte den Computer vom USB-Stick, probiere das Live-System aus und führe dann die
Installation durch. Aktiviere dabei die angebotene Festplattenverschlüsselung.
🔴 Fortgeschritten
Tails - das amnesisches USB-System
🌍 · alles über Tor
Ein System, das von einem USB-Stick startet, den gesamten Datenverkehr über Tor leitet und nach
dem Herunterfahren keine Spuren hinterlässt.
Beim Herunterfahren wird alles vergessen – daher „amnesisch“. Ideal für einmalige sensible
Arbeiten auf einem fremden Computer, ohne dort etwas zu hinterlassen.
Whistleblower, Journalisten und Quellen. Das Standardwerkzeug für besonders riskante Aufgaben.
Lade Tails von tails.net herunter und folge dem Assistenten, um den USB-Stick zu erstellen.
Starte den Computer von diesem USB-Stick. Arbeite damit und fahre ihn anschließend herunter:
Alles verschwindet.
🔴 Experten
Abschottung mit Qubes und postmarketOS
🌍 · Open Source
Zwei Nischensysteme: Qubes teilt deinen PC in voneinander abgeschottete virtuelle Maschinen;
postmarketOS bringt Linux auf ältere Smartphones.
Qubes isoliert jede Tätigkeit – etwa Arbeit, Onlinebanking oder riskantes Surfen – in einem
eigenen Bereich. Wird einer davon kompromittiert, bleiben die übrigen geschützt. postmarketOS
verlängert die Lebensdauer von Smartphones, deren Hersteller sie nicht mehr unterstützt.
Erfahrene Nutzer mit einem sehr hohen Bedrohungsmodell.
Härte dein Gerät
Auch ohne Wechsel des Betriebssystems kannst du viel erreichen: Installiere Apps über Zapstore, F-Droid oder den Aurora Store, ersetze Google-Dienste durch microG, nutze getrennte Profile, entziehe unnötige Netzwerkberechtigungen und deaktiviere automatische Cloud-Backups sowie die Werbe-ID.

