BANKEN-SCHOCK IN PARAGUAY: MILLIONEN VOM GELD ABGESCHNITTEN

Konten blockiert, Überweisungen gestoppt, Ersparnisse unerreichbar: Die Krise der Ueno-Bank trifft Millionen Kunden in Paraguay. Auch staatliche Renten- und Gesundheitsgelder sind betroffen. Der Fall zeigt mit voller Härte, was Gegenparteirisiko im Alltag bedeutet.

Für Kunden der Ueno-Bank wurde am Dienstag aus einem Kontostand eine Frage der Ungewissheit: Wann komme ich wieder an mein Geld?

Die paraguayische Zentralbank leitete am 3. November 2026 ein Abwicklungsverfahren gegen das Institut ein. Nach Angaben der Aufsicht war die Solvenzquote unter die Hälfte des gesetzlichen Mindestwerts gefallen. Eingesetzte Verwalter sollen die Vermögenslage prüfen und die verbliebenen Werte sichern. Quelle: Zentralbank Paraguays

Drei Millionen Kunden – und plötzlich kein Zugriff

Ueno zählt nach eigenen Angaben rund drei Millionen Kunden. Das entspricht etwa 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Paraguays. Laut Associated Press konnten Kunden am Dienstag weder Geld abheben noch überweisen. Vor geschlossenen Filialen versammelten sich aufgebrachte Sparer. Quelle: AP

Die Größenordnung macht den Fall zu einem massiven Einschnitt. Sie bedeutet allerdings nicht, dass 60 Prozent der Bevölkerung ihr gesamtes Vermögen verloren haben. Wie viele Betroffene auf andere Konten oder Reserven zurückgreifen können, geht daraus nicht hervor.

Doch für Menschen, deren täglicher Zahlungsverkehr über Ueno lief, ist schon die vorübergehende Sperre gravierend. Lebensmittel, Miete und Rechnungen müssen weiter bezahlt werden. Der Alltag wartet nicht auf die Abwicklung einer Bank.

Auch öffentliche Gelder stecken fest

Die Krise reicht weit über private Konten hinaus. Rund 380 Millionen US-Dollar des staatlichen Renten- und Gesundheitsfonds IPS sind betroffen. Der Fonds erklärte, die Rentenzahlungen fortzusetzen und betroffene Zahlungsempfänger zu einer anderen Bank zu verlagern. Quelle: AP

Damit geht es um mehr als das Vertrauen in ein einzelnes Institut. Es geht auch um die Frage, wie öffentliche Mittel angelegt wurden – und wer für die Risiken Verantwortung trägt.

Einlagensicherung ist kein sofortiger Kontozugriff

Die gesetzliche Absicherung umfasst bis zu 228,3 Millionen Guaraní pro Einleger und Institut, ungefähr 38.000 US-Dollar. Die zunächst angekündigte Auszahlung von rund 1.700 US-Dollar ist eine erste Teilzahlung, keine Obergrenze des gesamten Einlagenschutzes. Quellen: Zentralbank, AP

Für die Betroffenen bleibt trotzdem eine schmerzhafte Lücke: zwischen dem Anspruch auf ihr Geld und der Möglichkeit, es tatsächlich auszugeben.

Die Zentralbank bezeichnet Ueno ausdrücklich als Einzelfall und nicht als allgemeine Krise des paraguayischen Bankensystems. Eine pauschale Behauptung, ganz Paraguay sei zahlungsunfähig oder sämtliche Einlagen seien verloren, wäre deshalb falsch. Quelle: Zentralbank Paraguays

Ein bitterer Realitätscheck 

Vermögen selbst kontrollieren zu können, statt beim Zugriff auf das Funktionieren eines Finanzinstituts angewiesen zu sein.

Eigenverwahrung schützt nicht vor Kursschwankungen oder eigenen Fehlern. Doch die Abhängigkeit von einer einzelnen Bank lässt sich damit vermeiden.

In Paraguay ist Gegenparteirisiko gerade keine abstrakte Kennzahl. Es ist die gescheiterte Überweisung. Die unmögliche Abhebung. Und die Ungewissheit, wann das eigene Geld wieder verfügbar sein wird.

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