₿ Bitcoin Daily

3 Nov, ETFs, liquid, OpReturn

markusturm

November 03, 2026 · 6 min read

Bitcoin rutscht unter 77.000 Dollar – ETF-Abflüsse, Chip-Ausverkauf und die US-Zwischenwahl

Der Bitcoin-Kurs ist zum Wochenstart unter Druck geraten: Am Dienstagmorgen notiert er bei rund 76.700 Dollar, knapp 2 Prozent tiefer als vor 24 Stunden. Spot-ETFs verzeichnen hohe Abflüsse, Technologieaktien geben nach, und heute wählen die USA einen neuen Kongress.

Der Kurs: tiefster Stand seit August

Am Morgen war der Kurs kurzzeitig unter 76.400 Dollar gefallen – der tiefste Stand seit August. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 3,7 Prozent. Noch am Montagmorgen hatte Bitcoin Richtung 79.000 Dollar gestrebt; die Erholung nach dem Binance-Hack hat damit vorerst keine Fortsetzung gefunden.

Der Nasdaq 100 rutschte in eine Korrektur, ein Ausverkauf bei Chip-Aktien zog auch asiatische Börsen nach unten. 

ETFs: größter IBIT-Abfluss seit Juni#

Ein wichtiger Grund für die Schwäche sind die Spot-ETFs. Am Montag flossen netto 398,6 Millionen Dollar aus den US-Bitcoin-ETFs ab. Allein BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) verlor 405,3 Millionen Dollar – der größte Tagesabfluss seit dem 26. Juni. Fidelitys FBTC verbuchte dagegen ein kleines Plus von 6,7 Millionen Dollar. Schon im Oktober waren netto 515 Millionen Dollar abgeflossen; seit Jahresbeginn liegt die Bilanz bei rund 38 Millionen Dollar im Minus. 

Brasiliens größte Börse Mercado Bitcoin bestätigte laut The Block einen Sicherheitsvorfall über 46 Millionen Dollar und stoppte die Auszahlungen. Und laut Decrypt verlor eine nicht genannte Einrichtung in der EU nach Angaben des On-Chain-Ermittlers ZachXBT am Sonntag mehr als 106 Millionen Dollar aus Börsenkonten.

Wer kauft? Strive und die Treasury-Firmen#

Es gibt aber auch Käufer. Strive, die von Vivek Ramaswamy mitgegründete Bitcoin-Treasury-Firma, kaufte laut Decrypt zwischen dem 24. und 30. Oktober 124 BTC für rund 10 Millionen Dollar, zu einem Durchschnittspreis von 80.526 Dollar. Damit hält Strive 43.124 BTC und liegt auf Platz vier der börsennotierten Firmen – nur 390 BTC hinter Twenty One Capital und 876 BTC hinter Metaplanet. Der durchschnittliche Einstandspreis von Strive liegt mit 87.785 Dollar allerdings deutlich über dem aktuellen Kurs.

Was ansteht: die Midterms#

Heute wählen die US-Amerikaner einen neuen Kongress. Bitcoin hat nach den letzten drei Zwischenwahlen jeweils deutlich nachgegeben und erst danach sein Zyklustief erreichte. Unsicher ist auch die Zukunft des Clarity Act, des geplanten US-Marktstrukturgesetzes für Kryptowerte.

CoinDesk beschreibt die Gegenposition: Trader setzen auf eine Rally nach der Wahl und verweisen auf Abflüsse von den Börsen, die auf ein knapperes Angebot hindeuten. 

Für die kommenden Tage zählen damit drei Dinge: das Wahlergebnis und seine Folgen für die Krypto-Gesetzgebung, die Frage, ob die ETF-Abflüsse anhalten, und ob Binance seinen SAFU-Fonds wieder auffüllt. Kurzfristig bleibt die Marke von 76.000 Dollar im Fokus – darunter läge Bitcoin auf dem Niveau des Spätsommers.

Liquid wieder voll gedeckt

Die Liquid-Sidechain ist nach dem Hack vom September wieder vollständig mit Bitcoin gedeckt. Auf Delving Bitcoin stellt ein Entwickler eine Node vor, die große OP_RETURN-Daten verwerfen kann, und eine formale Prüfung macht schnellere Signaturprüfung greifbar.

Liquid: 1:1-Deckung wiederhergestellt#

Die wichtigste technische Nachricht des Tages kommt von Blockstream. Am Montagabend meldete The Bitcoin Insider: „JUST IN: 300 bitcoin spotted being deposited into the Liquid Network's bridge address“. Die Transaktion ist auf mempool.space öffentlich einsehbar; auf Stacker News wurde sie ebenfalls diskutiert. Kurz darauf folgte die Bestätigung: Laut The Bitcoin Insider ist die Bindung („Peg“) des Liquid Network „officially back to 100% for the first time since early September“. Damals hatte ein Hacking-Vorfall in der Brücke ein Loch von 600 Bitcoin hinterlassen.

Blockstream selbst schrieb am Dienstagmorgen: „The Liquid Network's bitcoin reserves are fully restored: 1:1 BTC backing for all LBTC, verifiable by anyone running a Liquid node.“ Der letzte Teil ist entscheidend. Liquid ist eine Sidechain, auf der Bitcoin als L-BTC umläuft. Jeder L-BTC soll durch einen echten Bitcoin in der Föderations-Wallet gedeckt sein. Wer eine eigene Liquid-Node betreibt, muss diese Aussage nicht glauben, sondern kann sie selbst nachrechnen. Das ist der Unterschied zwischen einem Versprechen und einem prüfbaren Beweis – derselbe Gedanke, der in dieser Woche auch hinter den Reserve-Nachweisen der großen Börsen steht.

Satd: OP_RETURN-Daten auf Wunsch verwerfen#

Auf Delving Bitcoin stellt der Entwickler bkeroack eine Neuerung seiner alternativen Node-Implementierung satd vor. Sie ist nach eigener Aussage „the first Bitcoin node implementation to allow optional full OP_RETURN value pruning“. Drei Optionen steuern das: -pruneopreturn=N legt fest, wie viele Blöcke hinter der Spitze die Daten entfernt werden (mindestens 288, passend zur Garantie für „NODE_NETWORK_LIMITED“). -pruneopreturnsize=X bestimmt, ab welcher Größe Daten verworfen werden, und -restoreopreturns stellt alles wieder her.

Die jüngste Kontroverse um BIP-110 habe gezeigt, „that a certain proportion of node runners care deeply about OP_RETURN value sizes and what they see as spam on the blockchain“. Seine persönliche Sicht sei, dass der Platzbedarf von OP_RETURN auf dem Mainnet derzeit vernachlässigbar ist. Das philosophische Argument, dass nicht-finanzielle Daten nicht auf die Chain gehören, sei aber real. Weil das Verwerfen ohne Bruch der Konsensregeln möglich ist, kann jeder Node-Betreiber selbst entscheiden. In einfachen Worten: Die Blockchain bleibt gültig, nur die eigene Festplatte hält bestimmte Datenanhängsel nicht mehr vor.

Post-Quanten: Blockstream wirbt für Hash-Signaturen#

Die Quantenfrage bleibt auf der Agenda. Blockstream kündigte an, dass der Direktor von Blockstream Research am 13. November beim Digital Assets Forum in New York über „the race to replace Bitcoin's signatures“ spricht: „Bitcoin can get ahead of quantum.“ In einem weiteren Post verweist Blockstream auf ein Papier zu hashbasierten Signaturen – „post-quantum security built on the hash functions Bitcoin already trusts“. Der Charme dieses Ansatzes: Er stützt sich auf Bausteine, die in Bitcoin seit Jahren im Einsatz sind.

Ökosystem: Fedimint, KaleidoSwap, Cashu und Mining#

Im Wochenupdate geht es um „Nut November“, den einmonatigen Hackathon des Cashu-Ökosystems. Lightning News rechnete vor, was es braucht, um einen ganzen Bitcoin pro Tag zu schürfen: rund 2.400.000 TH/s, etwa 4.140 Antminer S23 Hydro und fast 23 Megawatt Dauerleistung – „industrial-scale infrastructure“.

Bei Bitcoin Core gibt es seit den Releases 29.5, 30.4 und 31.2 vom 28. Oktober nichts Neues; der letzte Optech-Newsletter bleibt #429. Wer noch nicht aktualisiert hat, sollte das nachholen. Die drei Releases schließen unter anderem zwei Speicherlecks, die das Projekt am selben Tag als CVE-2026-117349 und CVE-2026-117350 offengelegt hat. Beide betreffen unbegrenztes Speicherwachstum durch präparierte Verbindungen; ein Update ist für alle Node-Betreiber die einfachste Absicherung.

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