Parker Lewis bei TFTC

Dieser Artikel basiert auf TFTC Podcast #803 mit Parker Lewis und Marty Bent.

markusturm

October 22, 2026 · 3 min read

Die Stimmung unter Bitcoinern ist so schlecht wie seit Jahren nicht. Das klingt erstmal paradox – schließlich notiert Bitcoin bei rund 82.000 Dollar, die Hashrate erreicht neue Rekorde, und institutionelle Player wie BlackRock und Fidelity bringen Produkt über Produkt an den Markt. Doch Parker Lewis, Autor von "Gradually, Then Suddenly" und langjähriger Bitcoin-Purist, beobachtet in der Community eine tiefgreifende Erschöpfung.

"Sentiment is worse than it's ever been, but the setup is as good as it's ever been"

fasst er im Gespräch mit Marty Bent bei TFTC zusammen.

Das Problem: Keine Adoptionswelle seit 2021

Der bullrun 2024/2025 war laut Lewis keine echte Adoptionswelle, sondern ein ETF-getriebener Finanz-Effekt. Neue Leute, die von Bitcoin begeistert sind, kommen kaum nach. "You don't have new energy coming in", sagt er. Die Bullenmärkte 2017 und 2020/21 brachten jedes Mal eine Welle neuer Enthusiasten in die Szene – davon ist diesmal nichts zu spüren.

Stattdessen bestimmen andere Themen die Debatte: Treasury-Aktien von Strategy und Strive, Streit um BIP 119, Hardware-Wallet-Hacks. Lauter Ablenkungen, die von der eigentlichen Sache wegführen – Bitcoin als Geld.

Die Trendwende kommt von außen

Das Interessante: Während die Stimmung im Inneren der Bitcoin-Blase schlecht ist, brodelt es außerhalb. Lewis hielt kürzlich zwei Vorträge in Fort Worth, Texas – einer um 12 Uhr mittags, einer zur Happy Hour. 80 bis 90 Menschen kamen zum ersten Termin, 60 bis 70 zum zweiten. 90 Prozent von ihnen kannte er nicht.

Das sind keine Bitcoin-Konferenzgänger. Das sind kleine Unternehmer aus der Öl- und Gasindustrie, Family Offices, Leute die spüren, dass irgendwas im System nicht stimmt. Die Inflation beißt. Die Zinsen steigen. Die 30-jährigen US-Staatsanleihen notieren bei über 5,5 Prozent – das Long-End der Zinskurve beginnt zu brechen.

Das System hat keine Lösung

Hank Paulson, der Mann, der 2008 die Bankenrettung führte, spricht öffentlich von der Notwendigkeit eines "Break the Glass"-Plans. Scott Bessent, der aktuelle Finanzminister, kauft Anleihen am langen Ende zurück – ein Tropfen auf den heißen Stein bei 40 Billionen Dollar Schulden.

Lewis ist klar:

In a world where central bankers are tripping over themselves to devalue their currency, Bitcoin wins.

Es ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Irgendwann bricht der Kreditmarkt oder der Immobilienmarkt – und dann wird die Druckerpresse angeworfen.

Treasury-Firmen kanibalisieren Adoption

Ein besonders starker Punkt von Parker Lewis: Bitcoin-Treasury-Unternehmen wie Strategy verwirren potenzielle Adopter eher, als dass sie sie anziehen.

"If you're explaining to someone that a company pays 13% to own Bitcoin so they can buy more Bitcoin... how does that help anyone understand Bitcoin?"

Aus seiner Sicht ist das nächste große Bullensignal erreicht, wenn diese Treasury-Aktien mit deutlichem Abschlag zum Nettoinventarwert handeln. Denn dann, so Lewis, beginnt die echte Bitcoin-Adoptionswelle – und Menschen kaufen lieber das Original als den Derivat-Schein.

Der Ausweg: Bitcoin als Geld verstehen

Die Lösung liegt für Lewis auf der Hand: Bitcoin muss wieder als das verstanden werden, was es ist – Geld, das nicht gedruckt werden kann. Kein "digitales Kapital", keine "Batterie", keine technische Spielerei. Das Framing als Geld schließt den Kreis für Menschen, die sowieso schon spüren, dass ihr Geld immer weniger wert wird. Wenn man Bitcoin so erklärt, macht es Klick.

"Bitcoin wins in the world of fiat currencies", sagt Lewis. "If you're not paying attention, you probably should be."

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