Bitcoin nähert sich wieder 79.000 Dollar – Binance öffnet die Schleusen, ETF-Anleger ziehen Geld ab
Vier Tage nach dem größten Krypto-Hack der Geschichte steht Bitcoin am Montagmorgen bei rund 78.400 US-Dollar. Binance hat die Auszahlungen wieder geöffnet und Milliarden fließen ab, die Spot-ETFs verzeichneten den größten Tagesabfluss seit Monaten – und trotzdem hält der Kurs.
Bitcoin arbeite sich zurück in Richtung 79.000 Dollar, während die Märkte den größten Hack der Kryptogeschichte abschüttelten. Der Blick zurück zeigt, wie schwer der Oktober war. Bitcoin beendete den Monat mit einem Abschlag von fast acht Prozent; im Wochenvergleich verlor der Kurs infolge des Binance-Hacks knapp drei Prozent auf etwa 77.800 Dollar.
Binance: Auszahlungen laufen – und das Geld fließt ab#
Der wichtigste Termin des Wochenendes war die Wiedereröffnung der Auszahlungen bei Binance. Laut Binance standen bis zum Zeitpunkt der Meldung 4,6 Milliarden Dollar an Auszahlungen nur 1 Milliarde Dollar an Einzahlungen gegenüber, ein Nettoabfluss von 3,6 Milliarden Dollar. Am stärksten abgezogen wurden die Stablecoins USDT und USDC, danach Bitcoin.
Einordnen muss man diese Zahl trotzdem: Binance verwaltet nach eigenen Angaben rund 171 Milliarden Dollar an Kundengeldern. Die Abflüsse seien zunächst stark gewesen, hätten sich aber inzwischen verlangsamt und stabilisiert, so die Börse.
ETFs: Größter Abfluss seit Monaten#
Deutlich nervöser reagierte die Wall Street. Anleger zogen am Freitag 643,2 Millionen Dollar aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs ab – der größte Tagesabfluss im Oktober und der größte seit vier Monaten.
Es war der erste volle Handelstag nach Beginn des Angriffs. Damit wurde eine viertägige Zuflussserie von 441 Millionen Dollar komplett ausradiert. Auf Wochensicht stehen die Fonds rund 202 Millionen Dollar im Minus, für den Oktober etwa 516 Millionen. Seit dem Start im Januar 2024 summieren sich die Nettozuflüsse dennoch auf 57,4 Milliarden Dollar, das verwaltete Vermögen liegt bei 103,2 Milliarden.
Was steht an?#
- US-Wahl: Am Dienstag, 3. November, finden die US-Zwischenwahlen statt. Wer im Kongress sitzt, entscheidet mit über die Regulierung von Börsen und Stablecoins.
- Makro: Diese Woche kommen vor allem neue US-Arbeitsmarktdaten und die Quartalszahlen von Apple. Zusätzlicher Gegenwind kommt von der Fed: Zwei Mitglieder stimmten für eine Erhöhung, und Händler preisen eine Zinserhöhung im Dezember mit über 70 Prozent ein.
Technik
BTCPay-Server: Hot Wallets geleert – warum Updates jetzt Pflicht sind#
In der Nacht zu Montag schlug das BTCPay-Server-Team Alarm: Angreifer räumten Hot Wallets auf selbst gehosteten Zahlungsservern leer. Betroffen sind nach aktuellem Stand nur veraltete Versionen.
Was bei BTCPay passiert ist#
Am Sonntagabend gegen 23:25 Uhr (MEZ) veröffentlichte das Projekt eine Dringlichkeitswarnung: „We are receiving reports of hot wallets on BTCPay Servers being swept by unauthorized attackers.“ Es gebe also Berichte, dass Hot Wallets auf BTCPay-Servern von Unbefugten geleert würden. Betreiber sollten ihre Instanzen sofort mit dem Befehl ./btcpay-down.sh herunterfahren.
Die Untersuchung habe einen Angriffsweg identifiziert, der Instanzen mit Version 2.4.1 (vom 23. Juli 2026) oder älter betrifft. Für Nutzer der aktuellen Version 2.4.7 gebe es keine glaubwürdigen Berichte über geleerte Hot Wallets.
Hosting-Anbieter wie LunaNode hätten Instanzen laut BTCPay nach der ersten Warnung möglicherweise automatisch abgeschaltet, um ältere Versionen zu schützen. Wie viel gestohlen wurde und wie viele Händler betroffen sind, ist noch nicht veröffentlicht; ein ausführlicher Blogpost ist angekündigt.
Warum alte Versionen gefährlich sind#
Es gibt Anzeichen das Angreifer über Schwachstellen in Versionen vor 2.4.2 Administratorzugriff erlangten. Im August war bereits eine Lücke geschlossen worden, über die nicht angemeldete Angreifer an sogenannte LND-Macaroons kommen konnten – das sind Zugangsschlüssel für den Lightning-Knoten. Ob genau diese oder eine andere alte Lücke ausgenutzt wurde, ist noch offen.
Erst am 29. Oktober erschien Version 2.4.7, die 85 Befunde aus einer KI-gestützten Sicherheitsprüfung im Rahmen einer Open-Source-Initiative von Anthropic behebt, darunter einer kritisch und 13 mit hohem Schweregrad.
Der praktische Rat für Händler: BTCPay sofort auf 2.4.7 aktualisieren, Einnahmen regelmäßig von der Hot Wallet auf eine Cold Wallet oder ein reines Watch-only-Setup verschieben – BTCPay kann Zahlungen auch ganz ohne Schlüssel auf dem Server empfangen, nur mit einem öffentlichen Schlüssel (xpub). Dann gibt es auf dem Server schlicht nichts zu stehlen.
Social Media
Der Sonntag war in den beobachteten Accounts auf X und Nostr vergleichsweise ruhig – bis in der Nacht der BTCPay-Alarm die Timelines erreichte.
Sofia: Die größte Bitcoin-Konferenz des Balkans#
Abseits der Hacks gab es auch gute Nachrichten. @LightningNewsX berichtete von der BTC Balkans in Sofia, nach eigenen Worten der größten Bitcoin-Konferenz auf dem Balkan: „Adoption never sleeps…“.
Zwei Tage lang sei es um Themen von ersten Wallets bis zu harten Fragen zu KI, Deepfakes und Stromausfällen gegangen – plus intensives Networking auf den Fluren.
Fazit
Nach dem Binance-Hack folgt mit BTCPay der nächste Sicherheitsfall – diesmal bei Software, die Händler selbst betreiben. Die Lehre der Woche lautet daher nicht „Bitcoin ist unsicher“, sondern: Selbstverwahrung heißt auch Selbstverantwortung – Updates einspielen, Hot Wallets klein halten.





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