₿ Bitcoin Daily

29. Oktober 2026 FED, Google, Bitcoin Core, Lightning, 402, Alby, Alles OkAI?!

markusturm

October 29, 2026 · 8 min read

Falken-Pause: Bitcoin fällt zurück unter 80.000 Dollar

Die US-Notenbank hat die Zinsen wie erwartet nicht angetastet, aber deutlich gemacht, dass sie die Inflation noch nicht im Griff sieht. Über Nacht kam dann ein Dämpfer aus Asien. Bitcoin hat seine Zwei-Tages-Erholung verloren und notiert am Donnerstagmorgen knapp über 80.000 US-Dollar, während Bitwise und Google langfristig ganz andere Signale senden.

Am Mittwochabend um 19 Uhr deutscher Zeit verkündete die Federal Reserve ihre Entscheidung: Der Leitzins bleibt in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent; Lisa Cook und Beth Hammack stimmten für eine Erhöhung. Blocktrainer erinnert an den Hintergrund: Im September stiegen die US-Verbraucherpreise um 3,7 Prozent zum Vorjahr, erwartet waren 3,6 Prozent. Die Inflation liegt seit März 2021, also seit 67 Monaten in Folge, über dem Zwei-Prozent-Ziel.

Die Amerikaner haben immer noch mit einer Inflation zu kämpfen, die seit fast sechs Jahren über dem Ziel des Komitees liegt. Es ist unsere Verantwortung, die Inflation zu senken. – Kevin Warsh

Für Bitcoin ist das ein Problem: Hohe Realzinsen machen sichere Anleihen attraktiv und bremsen Zuflüsse in riskantere Anlagen. Ecoinometrics greift das in seinem aktuellen Kapitalfluss-Report mit dem Titel „Bitcoin's Recovery Has a Bond Problem“ auf. Laut dem frei zugänglichen Teil ist die Bitcoin-Nachfrage gegen null gefallen, während Anleihe-ETFs deutlich stärkere Zuflüsse verbuchen (Ecoinometrics).

BildETFs und Firmen: vorsichtige Rückkehr der Käufer#

Bei den US-Spot-ETFs zeigt der Trend nach den Abflüssen der Vorwoche wieder nach oben. Am Dienstag flossen laut News.Bitcoin.com 175,99 Millionen Dollar zu, angeführt von BlackRock und Fidelity. Seit Wochenbeginn summieren sich die Zuflüsse damit auf mehr als 286 Millionen Dollar.

 Bei Strategy ist die Abstimmung über tägliche Dividenden durch. Laut vorläufigen Ergebnissen stimmten 99,3 Prozent der abgegebenen Stimmen dafür. Die Vorzugsaktie STRC schüttet ab November täglich aus, für STRK, STRF und STRD gilt das ab Januar 2027. Die Dividendenrendite bleibt bei 12 Prozent pro Jahr. Entscheidend für den Bitcoin-Markt ist eine andere Zahl: Strategy gibt neue STRC-Aktien nur bei einem Kurs von mindestens 100 Dollar aus, um mit den Erlösen Bitcoin zu kaufen. Am Mittwoch kratzte STRC mit 99,85 Dollar an dieser Marke.

Eine Warnung zur Selbstverwahrung liefert Datavault AI. Das börsennotierte Unternehmen teilte in einem 8-K-Filing mit, dass es seit Juni vergeblich versucht, Bitcoin von der Börse Biconomy abzuziehen. Die Aktie verlor knapp 50 Prozent.

Langfristig: Google baut#

Bitcoin Magazine meldete, dass Google ein neues Custody-Framework für Banken vorgestellt hat. Laut Bitcoin Magazine testen es bereits mehrere große Finanzinstitute.
s handelt sich um einen Multi-Party-Computation-Dienst (MPC) von Google Cloud, bei dem Institute Transaktionen gemeinsam signieren, ohne dass eine einzelne Partei den vollständigen Schlüssel kontrolliert. 

Bitcoin Core rüstet nach, KI findet die Fehler

Bitcoin Core hat in dieser Woche gleich vier Versionen veröffentlicht und drei Sicherheitslücken offengelegt. Zwei davon hat ein KI-gestützter Scanner gefunden. Dazu kommen neue Zahlen zu manipulierten Ledger-Geräten, ein Fortschrittsbericht von Liquid und kräftiges Wachstum bei Lightning-Bezahlschnittstellen für Maschinen.

Das Bitcoin-Core-Projekt hat am 27. Oktober die Versionen 32.1 und 31.2 sowie am 28. Oktober 29.5 und 30.4 veröffentlicht. Bemerkenswert ist der Sprung bei der neuen Hauptversion: Wegen kurzfristiger Probleme wurde 32.0 zwar getaggt, aber nie offiziell angekündigt oder freigegeben. Die erste offizielle Version der 32er-Reihe ist damit 32.1, wie Maintainer fanquake auf Delving Bitcoin mitteilte.

Drei offengelegte Lücken – zwei davon fand eine KI#

Parallel veröffentlichte das Projekt drei Sicherheitshinweise, die in allen vier Releases behoben sind.

1. TCP-Urgent-Daten (mittlere Schwere): Auf anderen Plattformen als Linux konnte ein bösartiger Peer einen Node per TCP-„Urgent“-Daten (Out-of-Band) dazu bringen, unbegrenzt Daten in die Verarbeitungswarteschlange zu legen. Der Bremsmechanismus für langsame Peers wurde damit umgangen. In der Praxis konnte ein Angreifer so jeden verbundenen Windows-, macOS- oder BSD-Node „trivial zum Absturz bringen“, heißt es in der Offenlegung. Linux-Nodes nutzen einen anderen Code-Pfad und waren nicht betroffen.

2. Speicherwachstum bei pausierten Pre-BIP31-Peers (mittel): Ein Angreifer konnte vorgeben, keine BIP31-Pings zu unterstützen, und so verhindern, dass er als träger Peer getrennt wird. Die Warteschlange mit Transaktionsankündigungen wuchs dann langsam, aber ohne Grenze, um bis zu 2 MB pro Stunde und eingehendem Peer und 5 MB pro Stunde und ausgehendem Peer. Nodes im -blocksonly-Modus sind deutlich weniger betroffen.

3. Überlauf der Undo-Dateien (gering): Positionen in den Undo-Dateien (rev*.dat) wurden als 32-Bit-Zahlen gespeichert. Ein Miner könnte gültige Blöcke erzeugen, deren Undo-Daten eine Datei über 4 GiB wachsen lassen. Dann würden ältere Daten überschrieben und der Node schaltet sich bei einer passenden Reorganisation ab. Praktisch ausnutzbar ist das kaum: Ein Angreifer müsste mehrere tausend Blöcke mit nicht standardkonformen Transaktionen minen, also etwa einen Monat der gesamten Blockproduktion. 

Spannend ist die Herkunft der Funde. Die ersten beiden Lücken entdeckte ein automatischer LLM-Scan im Rahmen von Elias Rohrers „Project Loupe“ bei Spiral. Gregory Sanders validierte sie und meldete sie dem Sicherheitsteam. Die zweite Lücke fand der Entwickler L0rinc unabhängig davon noch einmal. Bei der TCP-Lücke vergingen vom Fund am 23. Oktober bis zum Fix in vier Versionen nur fünf Tage. Für Node-Betreiber heißt das: Jetzt aktualisieren, vor allem unter Windows und macOS.

Lightning für Maschinen: 402 wächst weiter#

Alby hat seine Zählung kostenpflichtiger HTTP-402-Endpunkte aktualisiert. Nach einem Wachstum um etwa das Siebenfache in vier Monaten bis August kamen im dritten Quartal weitere 60 Prozent hinzu, auf nun 116.323 Endpunkte. Die Zahl der Anbieter hat sich mehr als verdoppelt.

Was ist L402? (Das Protokoll für Maschinen-Zahlungen)

Der Name leitet sich vom HTTP-Fehlerstatus 402 Payment Required ab. Während wir im Internet meist den Fehler 404 (Seite nicht gefunden) kennen, war der Code 402 seit den 90er Jahren für Zahlungen vorgesehen, wurde aber nie standardisiert genutzt.

  • Das Konzept: L402 kombiniert Authentifizierung (wer bin ich?) mit Zahlung (habe ich bezahlt?).
  • Die Funktionsweise: Wenn eine KI (ein Agent) Daten von einer anderen KI kaufen möchte, sendet der Server eine L402-Aufforderung. Die anfragende KI bezahlt diesen Bruchteil eines Cents sofort via Lightning, erhält ein digitales Ticket (Macaroon) und bekommt sofort den Zugriff.
  • Warum das wichtig ist: Herkömmliche Kreditkarten oder Banküberweisungen sind für Kleinstbeträge (Mikropayments von z. B. 0,001 Cent) viel zu langsam und zu teuer.

Was steckt hinter dem Wachstum?#

Die Steigerung auf über 116.000 Endpunkte zeigt, dass immer mehr Webdienste ihre Dienste für automatisierte Zahlungen öffnen.

  • Skalierbarkeit: Das Lightning-Netzwerk erlaubt es, tausende Zahlungen pro Sekunde fast kostenlos abzuwickeln.
  • Stablecoins auf Lightning (RGB): Dies ist ein Protokoll, um z. B. digitale Dollar (Stablecoins) über Lightning zu versenden. Das ist entscheidend, da viele Firmen zwar die Technologie von Bitcoin nutzen wollen, aber die Preisschwankungen scheuen. Stablecoins auf Lightning wären das „Endgame“ für den globalen, sekundenschnellen Dollar-Zahlungsverkehr.

„Digitales Gold reicht nicht“: Worüber die Bitcoin-Bubble auf X und Nostr spricht

Die Debatte des Tages: Bitcoin bezahlen statt nur halten#

Den meistdiskutierten Gedanken lieferte ein Post von @LightningNewsX. Spiral, die von Block finanzierte Entwicklerorganisation, sucht nach „Moonshots“ für Bitcoin-Zahlungen. Laut dem Post können mehr als eine Million US-Händler über Square Bitcoin annehmen, doch nur wenige Kunden zahlen täglich damit. Die Lücke liege bei der Nachfrage, nicht bei der Technik. Gleichzeitig gewinnen Stablecoins die neuen Zahlungswege bei Stripe, Shopify, Coinbase, Visa, Amex und Google. Die Leitfrage lautet: Was müsste passieren, damit Meta, Shopify oder OpenAI Bitcoin akzeptieren? Zitiert wird Jack Dorsey:

Wenn Bitcoin am Ende nur digitales Gold ist, dann ist es meiner Meinung nach gescheitert. – Jack Dorsey

Was hängen bleibt#

Die Bitcoin-Bubble ringt mit einer Identitätsfrage. Ist Bitcoin Wertspeicher oder Zahlungsnetz? Dorseys Satz vom „gescheiterten digitalen Gold“ trifft auf eine Realität, in der Stablecoins die neuen Zahlungswege erobern. Zugleich wächst Lightning dort, wo kaum jemand hinschaut: bei Maschinen, die per L402 für API-Aufrufe zahlen. Vielleicht sind die nächsten großen Bitcoin-Nutzer gar keine Menschen.

Hörtipp: „Alles OkAI?!“ – der neue KI-Podcast von Dennis Reimann#

Dennis Reimann, Gründungsmitglied von Einundzwanzig, hat mit seinem langjährigen Freund und Kollegen Jan Persiel einen neuen Podcast gestartet: „Alles OkAI?!“. Darin geht es um die Frage, wie KI unsere Arbeitsweise verändert, und zwar praktisch statt theoretisch. Später sollen auch Gäste dazukommen. Die Folgen erscheinen als Audio und als Video auf YouTube. Die beiden kennen sich schon aus ihrem früheren „UI Engineering“-Podcast.

Folge 001 (27.10.2026, ca. 63 Min.): https://www.allesokai.de/episode-001/ · RSS: https://www.allesokai.de/podcast/rss/

In der ersten echten Folge, nach dem Kennenlern-Trailer Episode 000, erzählen Jan und Dennis von ihrem eigenen Weg mit KI. Es geht los bei Midjourney-Bildern mit zu vielen Armen und frühem GitHub Copilot und reicht bis zur heutigen Agenten-Arbeit mit OpenCode. Ihre zentrale Erkenntnis ist, dass der größte Sprung nicht im Tool passiert ist, sondern im eigenen Kopf: Man beschreibt das Ziel, statt den Weg vorzugeben. Dennis sieht sich inzwischen als „One-Man-Product-Company“. Er hat seinem 13-jährigen Sohn OpenCode eingerichtet und baut gerade eine Bitcoin-Buchhaltungssoftware als Desktop-App. Jan, der aus dem Design kommt, fragt dagegen, was an Gestaltung und Feinschliff verloren geht, und zeigt seine selbstgebaute App, mit der er 3D-Druckvorlagen erstellt.

Fünf Zitate aus Folge 1:

„Das Ziel ist ja eigentlich das, was du haben willst.“ – Jan (ca. 00:23:35), über einen guten Chef, der nicht erklärt, wie man das Lineal anlegt

„Ich bin jetzt hier der Projekt Manager und betrachte das eher aus der Brille.“ – Dennis (ca. 00:20:50)

„… Kollegen an meiner Seite, der mich 10 Dollar im Monat kostet, reicher. Also das ist wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ – Dennis (ca. 00:26:31)

„… weil es jetzt halt auch so super cheap geworden ist, Dinge in Software umzusetzen, für die Leute ansonsten überhaupt gar nicht das Geld gehabt hätten.“ – Dennis (ca. 00:52:15)

„… mein Kanal da rein ist die Programmiersprache Deutsch.“ – Dennis (ca. 00:58:07)

Feedback und Themenideen nehmen die beiden unter studio@allesok.ai entgegen.

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