₿ Bitcoin Daily

30. Oktober 2026 Binance, Lagarde, Schnabel, Nordkorea, Sparrow, Mostro

markusturm

October 30, 2026 · 6 min read

Der Binance-Schock: Größter Krypto-Hack der Geschichte drückt Bitcoin unter 78.000 Dollar

Am Donnerstagabend flossen nach Angaben von Binance rund 6,3 Milliarden US-Dollar aus Wallets der weltgrößten Kryptobörse ab. Bitcoin fiel daraufhin zeitweise unter 77.000 Dollar. Gleichzeitig legten Strategy und Coinbase Quartalszahlen vor – und mit Christine Lagarde kündigte die oberste Notenbankerin Europas ihren Abschied an.

Der Kurs am Morgen#

Bitcoin steht am Freitag, 30. Oktober, um 06:04 Uhr (MEZ) 78.308 US-Dollar beziehungsweise 70.002 Euro. Das ist ein Minus von 2,4 Prozent in Dollar und 2,7 Prozent in Euro gegenüber dem Vortag. Noch am Donnerstagmorgen hatte Bitcoin knapp über 80.000 Dollar notiert.
In der Nacht ging es dann deutlich tiefer: Bitcoin ist um 4,8 Prozent auf rund 77.131 Dollar gefallen, Ether um 5,7 Prozent auf etwa 2.217 Dollar. BNB, der hauseigene Shitcoin von Binance, verlor rund 8 Prozent. 

Was bei Binance passiert ist#

Gegen 21:24 Uhr deutscher Zeit fielen am Donnerstag ungewöhnliche Abflüsse aus mehreren Hot-Wallets der Börse auf, unter anderem aus der als „Binance 14“ bekannten Wallet. 

Glassnode zählte rund 5,3 Milliarden Dollar an Abflüssen, darunter 17.985 BTC im Wert von etwa 1,45 Milliarden Dollar, rund 1,66 Milliarden USDT und 767 Millionen USDC. Eine Auswertung von Hyperdash kam auf 5,6 Milliarden Dollar in 67 verschiedenen Kryptowerten.

Binance selbst bezifferte den Schaden in der Nacht auf „rund 6,3 Milliarden Dollar“. 

Die Börse versprach: „Binance wird alle Verluste aus dem SAFU-Fonds und aus Firmenmitteln decken. Kundengelder sind sicher.“ Ein- und Auszahlungen wurden vorübergehend ausgesetzt. 

Die Stablecoin-Herausgeber reagierten schnell. Tether-CEO Paolo Ardoino meldete mehr als 1,567 Milliarden eingefrorene USDT, Circle-Chef Jeremy Allaire die Sperrung von mehr als 800 Millionen USDC.

Für Bitcoin gibt es diese Möglichkeit zum Glück nicht – die Angreifer haben 1,4 Milliarden Dollar in Bitcoin auf 19 Wallets verteilt, „die niemand einfrieren kann“.

Natürlich ließen die ersten Vermutungen nicht lange auf sich warten – und es dürfte kaum jemanden überraschen, wen der Finger am Ende zeigte: Es waren die Nordkoreaner. Wer hätte das gedacht?

Für Bitcoiner ist die Lehre nicht neu, aber selten so deutlich: Coins auf einer Börse sind ein Zahlungsversprechen der Börse. Wer seine Bitcoin selbst verwahrt, war von dieser Nacht nur über den Kurs betroffen. Naja, nach den ganzen Vorfällen um Hardware-Wallets ist diese endlich wieder eine Börse, endlich können wir wieder sagen:
"Not Your Keys, Not your Coins"

Strategy und Coinbase: Zahlen mit Bitcoin-Rückenwind#

Fast untergegangen sind die Quartalszahlen. Strategy meldete für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 19,53 Milliarden Dollar, getragen von einem Buchgewinn von 20,91 Milliarden Dollar auf die Bitcoin-Bestände. Zum 25. Oktober hielt das Unternehmen 848.517 BTC. 

Michael Saylor gab sich optimistisch: „Wir stehen am Anfang des nächsten Bitcoin-Bullenmarkts.“ Bitcoin notiere 21 Prozent über dem 200-Wochen-Durchschnitt. Die Aktie fiel nachbörslich trotzdem um rund 3,5 Prozent. Die Vorzugsaktie STRC habe sich durch Rückkäufe über 2,04 Milliarden Dollar „erholt“; die tägliche Dividende startet mit dem Stichtag 1. November.

Coinbase drehte mit 719 Millionen Dollar Nettogewinn in die schwarzen Zahlen, allerdings stammten etwa 715 Millionen davon aus Gewinnen auf eigene Krypto-Bestände; bereinigt blieben 78 Millionen Dollar. Der Umsatz lag mit 1,22 Milliarden Dollar 35 Prozent unter dem Vorjahr. 

Weitere News: Christine und Isabel verlassen uns#

Aus Frankfurt kam eine Personalie mit Gewicht: EZB-Präsidentin Christine Lagarde teilte mit, sie werde ihr Amt am 7. Februar 2027 niederlegen, wer ihr als Clown an der Spitze des EZB Zirkusses folgen wird ist noch nicht ganz sicher.

Zwei Namen werden aktuell besonders oft genannt: der Niederländer Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernandez de Cos. Beide sind Befürworter einer lockereren Geldpolitik, läuft also alles nach Plan für uns.

Doch es gibt auch eine traurige Nachricht: Unsere geschätzte Uhrenhändlerin Isabel Schnabel wird uns leider verlassen. Dabei war sie doch eine so glühende Verfechterin des Bitcoin. Wer erinnert sich nicht an ihre legendären Aussagen zum Bitcoin und Euro.
Danke, Isabel – es war unvergesslich.

Was jetzt ansteht#


Am Samstag, dem 31. Oktober, jährt sich die Veröffentlichung des Bitcoin-Whitepapers zum 18. Mal. 

Ein Laptop, 50 Signaturen, 6,3 Milliarden: Was der Binance-Hack technisch lehrt

Der Binance-Einbruch war kein Angriff auf Kryptografie, sondern auf Infrastruktur: Ein kompromittierter Entwickler-Laptop soll genügt haben. 

Wie der Angriff ablief#

Nach dem vorläufigen Befund von Binance deutet alles auf einen kompromittierten Laptop eines DevOps-Ingenieurs hin. Dieser habe einem Angreifer Zugang zu einem Service-Container verschafft, über den er „nicht autorisierte Auszahlungstransaktionen“ einreichen konnte.

Ido Ben-Natan, CEO der Sicherheitsfirma Blockaid, sprach gegenüber CoinTelegraph von „Key Misuse“: Angreifer bringen ein Signatursystem dazu, bösartige Transaktionen zu autorisieren, ohne den Schlüssel selbst zu stehlen. „Es scheint eine Kompromittierung der Signatur-Infrastruktur zu sein. Wir glauben nicht, dass ein Schlüssel geleakt wurde“

Auf Ethereum-Seite nutzte der Angreifer laut Blockaid ein vergleichsweise neues Feature: Er bündelte 50 Autorisierungen nach EIP-7702 in einer einzigen Transaktion gegen die Wallet „Binance 14“. Eine davon passte zur erwarteten Nonce und wurde akzeptiert. EIP-7702 erlaubt es einem Konto, die Ausführung an Smart-Contract-Code zu delegieren; hier zeigte die Delegation auf einen unverifizierten „Sweeper“-Vertrag, der Token und Ether abziehen konnte. 

Die technische Lehre ist unbequem: Die stärkste Kryptografie hilft wenig, wenn die Maschine, die signiert, einer kompromittierten Umgebung vertraut. Für Bitcoiner ist das ein Argument für Hardware-Wallets mit eigenem Display, für Multisig mit unabhängigen Geräten und für das Prüfen jeder Transaktion auf dem Gerät selbst.

Sparrow 2.5.6: Tor-Pflicht-Update und Barrierefreiheit#

Craig Raw hat Sparrow Wallet 2.5.6 veröffentlicht – ein Update, das man nicht aufschieben sollte. Laut Changelog wird der mitgelieferte Tor-Client auf v0.4.9.5 angehoben, „um die Client-Protokolle zu erfüllen, die das Tor-Netzwerk inzwischen verlangt“. Außerdem werden mit dem Java-Upgrade auf v25.0.5 die eMudhra-Root-Zertifikate aus dem gebündelten Zertifikatsspeicher entfernt. 

Mostro: Stablecoins und Bitcoin auf anderen Netzen#

Die Nostr-basierte P2P-Börse Mostro hat gleich zwei Releases veröffentlicht. Mostro Node v0.20.2 erlaubt Betreibern, Stablecoins (USDT, USDC, DOC) 1:1 zum Dollar und Bitcoin auf anderen Netzen – on-chain, Liquid-LBTC und Rootstock-RBTC – 1:1 in Sats zu quotieren. 

Post-Quanten-Signaturen in drei Sekunden#

Blockstream meldete auf X, das Team von Blockstream Research habe einen Weg gefunden, Post-Quanten-Transaktionen auf einer Hardware-Wallet „in etwa 3 Sekunden statt in über 20“ zu signieren – mit Hardware, die Nutzer bereits besitzen. Der verlinkte Research-Beitrag untersucht hashbasierte Signaturverfahren wie SLH-DSA, eine reduzierte SPHINCS+-Variante und die zustandsbehafteten Teile von SHRINCS auf Jade, Trezor, Ledger und BitBox02 (Blockstream Research). 

Weitere interessante News:#

  • Fedimint trifft Ark: Eric Sirion arbeitet nach eigenen Worten an „neuen Wegen, Fedimint mit Lightning zu verbinden“ – mit bark von Second.
  • Schreiben lokal, veröffentlichen auf Nostr: MyEditor ist ein quelloffener Desktop-Editor für Windows, macOS und Linux, bei dem alle Dateien auf dem eigenen Rechner bleiben und nur auf Wunsch auf Nostr publiziert wird (myeditor.rinbal.de, Stacker News, als Nostr-Bookmark).

„Es tut weh, aber wir werden es überstehen“: Der Hack als Live-Ereignis

Die ersten Stunden nach den verdächtigen Abflüssen spielten sich vor allem auf X ab. Changpeng Zhao war dabei wie immer unfreiwillig lustig, bedanke sich artig für das schnelle Einfrieren durch Tether und Circle.

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