Ein Mann, ein Hebel, keine Magie
Wenn man die Reaktionen in der Community verfolgt, könnte man meinen, Michael Saylor sei die wichigste Persone in Bitcoin. Dabei macht er objektiv betrachtet absolut nichts Besonderes. Seine Strategie lässt sich sehr pragmatisch zusammenfassen: Er nutzt klassische Finanzprodukte wie Kredite und Anteilsscheine, um damit Bitcoin zu kaufen.
Das ist keine hochkomplexe, visionäre Innovation innerhalb des Netzwerks, sondern schlichtweg eine Anwendung aus der traditionellen Finanzwelt. Er programmiert nicht am Base-Layer von Bitcoin, er löst keine technischen Skalierbarkeitsprobleme und er verbessert auch nicht die Privatsphäre der Nutzer. Er kauft einfach nur ein begrenztes Gut auf dem freien Markt.
Diese völlige Banalität füllt aber ganze Youtube-Kanäle und Konferenzen.
Das Prinzip der puren Erlaubnisfreiheit
Bitcoiner die Saylor hassen und beklagen, dass ein einzelnes Unternehmen so viele Coins anhäuft machen sich lächerlich.
Gerade hier zeigt sich, wie absurd diese Aufregung ist. Bitcoin wurde exakt so konzipiert, dass es nicht zwischen Gut und Böse oder Arm und Reich unterscheidet. Es ist ein radikal offenes, erlaubnisfreies System.
Zu den unumstößlichen Eigenschaften des Netzwerks gehören:
Niemand kann von der Teilnahme ausgeschlossen werden.
Niemandem kann der Kauf verweigert werden.
Niemand braucht die Erlaubnis oder den Segen der Community.
Sich also darüber aufzuregen, dass ein kapitalstarker Akteur genau das tut, was der Code ihm explizit erlaubt, ist ein Widerspruch in sich. Die Spielregeln gelten für alle oder niemanden.
Die Illusion von Kontrolle und Relevanz
Der größte Fehler dieser Saylor-Obsession ist jedoch die Annahme, die permanente Diskussion über ihn hätte irgendeinen Wert. Weder die ständigen Lobpreisungen noch die wütenden Warnungen interessieren Michael Saylor oder die Chefetage von MicroStrategy.
Die Bitcoin-Community hat exakt null Einfluss auf das Handeln von Michael Saylor. Er trifft seine Entscheidungen wahrscheinlich auf Basis von Unternehmensstrategien, Bilanzen und den Interessen seiner Shareholder.
Er ist niemand der sein Handeln an den Idealen der Community ausrichtet, warum auch. Er ist ein Geschäftsmann, der den seiner Meinung nach profitabelsten Weg für sein Unternehmen gewählt hat und der Aktienkurs über die letzten Jahr gibt ihm recht.
Jede Minute, die man damit verbringt, sich mit Michael Saylor zu beschäftigen, ist eine verschwendete Minute.
Zeit für das Wesentliche
Anstatt Stunden in hitzigen Diskussionen und endlosen Debatten über einen amerikanischen CEO zu verplempern, sollten Bitcoiner sich auf Dinge fokussieren, die sie tatsächlich beeinflussen können. Das permanente Beobachten von MicroStrategys Käufen grenzt an eine kollektive Psychose, die vom wichtigsten Kerngedanken ablenkt: der eigenen Unabhängigkeit.

